EBICS: Das sollten Unternehmen in Deutschland wissen

Connect
Connect

Die erfolgreichsten Plattformen und Marktplätze der Welt, darunter Shopify und DoorDash, nutzen Stripe Connect, um Zahlungen in ihre Produkte einzubinden.

Mehr erfahren 
  1. Einführung
  2. Was ist EBICS?
    1. Die Entwicklung von EBICS
  3. Wo wird EBICS eingesetzt?
    1. Typische Branchen, die mit EBICS arbeiten
    2. Alternativen zu EBICS
  4. Welches sind die technischen und betrieblichen Anforderungen von EBICS?
    1. Technische Anforderungen
    2. Betriebliche Anforderungen
  5. Welche Vor- und Nachteile gibt es im Vergleich zu modernen API-Lösungen?
  6. Wann ist die Nutzung von EBICS sinnvoll?

Im deutschen Firmenzahlungsverkehr zählen vor allem zwei Faktoren: Sicherheit und Effizienz. Während moderne API-Schnittstellen als Zukunft des Bankings gelten, setzen viele Unternehmen weiterhin auf das EBICS-Verfahren – einen Standard, der sich seit vielen Jahren bewährt.

Doch was genau steckt hinter EBICS? Wo wird es eingesetzt, welche Voraussetzungen sind nötig und wann lohnt sich die Implementierung? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Stärken und Grenzen eines festen Bestandteils des europäischen Zahlungsverkehrs.

Worum geht es in diesem Artikel?

  • Was ist EBICS?
  • Wo wird EBICS eingesetzt?
  • Welches sind die technischen und betrieblichen Anforderungen von EBICS?
  • Welche Vor- und Nachteile gibt es im Vergleich zu modernen API-Lösungen?
  • Wann ist die Nutzung von EBICS sinnvoll?

Was ist EBICS?

EBICS steht für “Electronic Banking Internet Communication Standard”. Es handelt sich um ein europaweit etabliertes Verfahren zur sicheren Übertragung von Zahlungsverkehrsdaten zwischen Unternehmen und Banken.

EBICS hat sich insbesondere im professionellen Firmenbanking etabliert. Der Standard ermöglicht eine verschlüsselte Kommunikation über das Internet, ohne auf proprietäre Banksoftware angewiesen zu sein. Unternehmen können damit Zahlungsaufträge direkt aus ihren ERP, Buchhaltungs- oder Treasury-Systemen an die Bank übermitteln und Kontoinformationen automatisiert abrufen.

Die Entwicklung von EBICS

EBICS wurde Mitte der 2000er-Jahre in Deutschland entwickelt, um veraltete und proprietäre Verfahren wie FTAM abzulösen und den Firmenzahlungsverkehr an die Anforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen. FTAM steht für File Transfer, Access and Management und ist ein standardisiertes Datenkommunikations-Protokoll für den sicheren Dateitransfer.

Federführend bei der Entwicklung von EBICS waren die deutschen Bankenverbände, die einen bankenunabhängigen und auf modernen Internet-Technologien basierenden Standard schaffen wollten. Im Mittelpunkt standen eine hohe Sicherheit durch starke Kryptografie, die Möglichkeit zur Automatisierung über direkte Systemanbindungen sowie eine klare Trennung von Benutzerrollen zur Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Mit den späteren Versionen EBICS 2.0 und 3.0 wurde das Verfahren weiter harmonisiert und europaweit geöffnet, vor allem durch die Zusammenführung deutscher und französischer Spezifikationen im Kontext von SEPA. Bis heute wird EBICS kontinuierlich weiterentwickelt, um einen zuverlässigen, zukunftsfähigen und internationalen Standard für den elektronischen Zahlungsverkehr zu gewährleisten.

Wo wird EBICS eingesetzt?

EBICS wird genutzt, um Zahlungsdaten sicher und automatisiert zwischen Unternehmen und Banken auszutauschen. Dazu gehören Überweisungen, Lastschriften sowie der Abruf von Kontoinformationen. Der Standard kommt vor allem im Firmenkundengeschäft zum Einsatz, wenn Unternehmen viele Zahlungen verarbeiten und Freigabeprozesse nach Compliance-Vorgaben erfüllen müssen. Durch die direkte Anbindung von ERP-, Lohn- oder Buchhaltungssystemen an die Bank ermöglicht EBICS effiziente, fehlerarme Prozesse im gesamten Zahlungsverkehr. Typische Einsatzfelder für EBICS sind:

  • Lohn- und Gehaltszahlungen: Automatisierte Übermittlungen an die Bank im Rahmen der monatlichen Entgeltabrechnung. Dadurch lassen sich große Mitarbeiterzahlen zuverlässig und ohne manuelle Eingriffe bedienen.

  • Lieferanten- und Kreditorenzahlungen: Überweisungsläufe aus der Buchhaltung oder dem ERP-System. Das reduziert Fehlerquellen gegenüber Einzelzahlungen und beschleunigt die gesamte Rechnungsbearbeitung.

  • SEPA-Lastschriften: Zur regelmäßigen Zahlungseinziehung. Unternehmen sichern sich damit stabile und planbare Zahlungseingänge.

  • Multibanking und Finanzübersicht: Abruf von Kontoumsätzen und Salden über verschiedene Banken hinweg. Das ermöglicht eine zentrale Liquiditätssteuerung und bessere Transparenz über alle Konten.

Typische Branchen, die mit EBICS arbeiten

In der Praxis setzen vor allem Branchen auf EBICS, die regelmäßig umfangreiche Zahlungsläufe automatisiert verarbeiten oder zahlreiche Bankkonten verwalten. Dazu gehören insbesondere:

  • Energie- und Versorgungsunternehmen: Stadtwerke, Energieversorger und Wasserbetriebe verarbeiten häufig tausende monatliche SEPA-Lastschriften und benötigen zuverlässige Automatisierung, um Zahlungsausfälle zu minimieren.

  • Versicherungen und Finanzdienstleister: Regelmäßige Beitrags- und Prämienabbuchungen sowie komplexe Zahlungsprozesse im Schadensfall machen EBICS zu einer stabilen Basis der Zahlungsabwicklung.

  • Industrie- und Produktionsbetriebe: Lieferanten- und Kreditorenzahlungen erfolgen oft in großen Volumina und teilweise international, sodass Multibanking und Sicherheit entscheidend sind.

  • Handels- und Logistikunternehmen: Viele Lieferanten, Filialkonten und automatisierte Zahlungsläufe erfordern eine skalierbare und robuste Bankanbindung.

  • Öffentliche Verwaltungen und Institutionen: Verwaltungsprozesse und Haushaltsmittel erfordern höchste Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und klare Rollentrennungen bei Zahlungsfreigaben.

Diese Branchen profitieren besonders von EBICS, da es stabil, regulatorisch erprobt und für große Datenmengen ausgelegt ist.

Alternativen zu EBICS

Auch wenn EBICS im deutschen Firmenkundengeschäft weit verbreitet ist, gibt es mehrere Alternativen, die je nach Anforderung eines Unternehmens besser geeignet sein können.

Moderne Banking-APIs

Eine wichtige Alternative sind Banking-APIs, die im Zuge von PSD2 und Open Banking entstanden sind. Sie ermöglichen eine direkte, meist in Echtzeit funktionierende Kommunikation zwischen Softwarelösungen und Banken – ohne zusätzliche Banksoftware. Für digitale Geschäftsmodelle, E-Commerce oder SaaS-Plattformen bieten sie eine flexible Möglichkeit, Kontoinformationen auszulesen oder Zahlungen sofort auszuführen.

SWIFT und Host-to-Host-Verbindungen

Für international tätige Unternehmen bieten sich zudem SWIFT und Host-to-Host-Verbindungen an. Beide Lösungen unterstützen weltweit standardisierte Zahlungsprozesse und eignen sich insbesondere für komplexe Treasury-Strukturen mit vielen Auslandskonten. Der Implementierungsaufwand ist jedoch höher, und die Kosten liegen meist über denen von EBICS.

Stripe als moderne Komplettlösung

Eine dritte Alternative sind Zahlungsdienstleister (Payment Service Provider), die mehrere Zahlungsarten, Betrugsprävention und Auszahlungen über eine einzige Schnittstelle bündeln. Stripe geht hier einen Schritt weiter: Unternehmen integrieren Zahlungen, Auszahlungen und globale Zahlungsmethoden über eine moderne API und automatisieren komplexe Abläufe direkt in ihren Systemen.

SaaS-Plattformen und Marktplätze nutzen Stripe Connect, um Massenauszahlungen zu orchestrieren, Onboarding-Prozesse einzubinden und Geldbewegungen zwischen mehreren Parteien intelligent zu steuern. Dank eines schnellen Onboardings über gehostete oder integrierbare Komponenten können Unternehmen häufig innerhalb weniger Wochen live gehen – ohne hohe Vorlaufkosten oder lange Entwicklungszeiten. Zusätzlich stehen Tools für Margenberichte, Risikomanagement, Steuerformulare, Compliance im Onboarding sowie automatisierte Steuerberechnungen zur Verfügung. Auf Wunsch lassen sich neue Umsatzquellen erschließen, etwa durch Transaktionsentgelte, Sofortauszahlungen, Finanzierungslösungen oder Firmenkarten.

Welches sind die technischen und betrieblichen Anforderungen von EBICS?

Damit EBICS in einem Unternehmen eingesetzt werden kann, müssen sowohl technische als auch organisatorische Voraussetzungen erfüllt sein. Diese stellen sicher, dass der Zahlungsverkehr sicher, rechtskonform und komplett digital ohne Medienbrüche abgewickelt werden kann.

Technische Anforderungen

  • EBICS-fähige Bankverbindung
    Die Bank des Unternehmens muss EBICS unterstützen. Während dies in Deutschland bei den meisten Banken Standard ist, kann es insbesondere bei internationalen Instituten Einschränkungen geben. Daher ist vorab zu prüfen, welche Formate und EBICS-Versionen die Bank anbietet und ob diese den Anforderungen des Unternehmens entsprechen.

  • EBICS-zertifizierte Software
    Für die Nutzung wird eine Software benötigt, die den EBICS-Standard technisch umsetzt – beispielsweise Buchhaltungs-, ERP- oder Treasury-Systeme. Diese Software ermöglicht die Erstellung, Verschlüsselung und Übermittlung der Zahlungsdateien sowie den Abruf von Kontoauszügen und Umsätzen.

  • Schlüsselpaar für die Authentifizierung
    Um die Sicherheit der Kommunikation zu gewährleisten, arbeitet EBICS mit digitalen Zertifikaten und Schlüsselpaaren. Diese werden auf einzelne Benutzer oder Funktionsrollen ausgestellt und dienen dem Schutz der Datenintegrität sowie der Identifikation des Auftraggebers gegenüber der Bank. Die Generierung und Verwaltung dieser Schlüssel ist ein essenzieller Bestandteil der Einrichtung.

  • Sichere Netzwerk- und Systemumgebung
    Da sensible Finanzdaten übertragen werden, muss die IT-Infrastruktur zuverlässig geschützt sein. Dazu gehören gesicherte Server, klare Netzwerkzugriffe, regelmäßige Updates sowie ein verlässliches Backup- und Monitoring-Konzept. Auch die Integration in bestehende Systeme muss vorab getestet werden, um reibungslose Abläufe sicherzustellen.

Betriebliche Anforderungen

  • Rechte- und Benutzerverwaltung
    EBICS setzt in der Regel eine klare Trennung von Verantwortlichkeiten voraus. Rollen wie „Ersteller“, „Freigeber“ und „Sender“ dürfen nicht in einer Person zusammenfallen, da viele Banken das Vier-Augen-Prinzip verlangen. Unternehmen benötigen daher eine eindeutige und revisionssichere Benutzerverwaltung, die dokumentiert und regelmäßig überprüft wird.

  • Regelmäßige Schlüsselverwaltung
    Da EBICS auf kryptografischen Schlüsseln basiert, müssen diese sicher gespeichert, regelmäßig erneuert und bei Mitarbeiterwechseln aktualisiert oder widerrufen werden. Eine korrekte Schlüsselverwaltung ist entscheidend, um die Integrität des Systems und die Berechtigungsstruktur jederzeit sicherzustellen.

  • Datenverantwortung und Auditfähigkeit
    Unternehmen tragen die volle Verantwortung für die übermittelten Zahlungsdaten. Prozesse und Systeme sollten deshalb so gestaltet sein, dass Zahlungsfreigaben jederzeit nachvollziehbar bleiben. Interne Revisionen oder externe Prüfungen – beispielsweise durch Wirtschaftsprüfer/innen – sind üblich, um die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen sicherzustellen.

Welche Vor- und Nachteile gibt es im Vergleich zu modernen API-Lösungen?

Moderne Banking-APIs gewinnen an Bedeutung, während EBICS weiterhin ein zentraler Standard im Firmenzahlungsverkehr bleibt. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall und den Anforderungen eines Unternehmens ab.

EBICS eignet sich vor allem für hohe Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und große Zahlungsvolumina im Firmenzahlungsverkehr. APIs eröffnen dagegen Möglichkeiten für Echtzeitkommunikation, flexible Integrationen und digitale Geschäftsmodelle. In der Praxis ergänzen sich beide Ansätze häufig: EBICS übernimmt die stabile Batch-Abwicklung im Hintergrund, während APIs dynamische Prozesse und Banking-Funktionen in Echtzeit ermöglichen. Viele Unternehmen nutzen daher eine Kombination beider Technologien, abhängig von Systemlandschaft, Geschwindigkeit und dem notwendigen Automatisierungsgrad.

EBICS

Moderne Banking-APIs

Verfügbarkeit

Bankabhängig, aber sehr stabil im Firmenzahlungsverkehr

Häufig öffentlich dokumentiert, breiter verfügbar

Automatisierung

Sehr gute Unterstützung für Massenzahlungen (Batch)

Starke Echtzeit-Automatisierung, weniger für Batch-Prozesse geeignet

Sicherheit

Sehr hohe Kryptostandards, strenge regulatorische Vorgaben

Sicherheitsniveau abhängig vom Anbieter und der Implementierung

Geschwindigkeit

Batch-orientiert (keine Echtzeit)

Echtzeit möglich

Komplexität

Höherer Einrichtungs- und Verwaltungsaufwand

Schnelle Integration über standardisierte Schnittstellen

Funktionsumfang

Voller Zugriff auf Firmenbanking-Funktionen

Häufig auf Kontodaten und SEPA-Zahlungen begrenzt (je nach Anbieter)

Kosten

Lizenzen und Einrichtung oft teurer

Geringe Einstiegskosten, aber ggf. API-/Transaktionsgebühren

Wann ist die Nutzung von EBICS sinnvoll?

Ob EBICS sinnvoll ist, hängt stark von den Zahlungsvolumina, den Compliance-Anforderungen und der Systemlandschaft eines Unternehmens ab. In bestimmten Szenarien spielt der Standard klare Stärken aus.

EBICS ist besonders geeignet, wenn:

  • viele oder wiederkehrende Zahlungen automatisiert verarbeitet werden (z. B. > 1.000 Zahlungen/Monat)
  • Compliance- und Sicherheit eine hohe Priorität haben (z. B. Vier-Augen-Prinzip)
  • eine Integration in ERP- oder Buchhaltungssysteme essenziell ist
  • mehrere Banken in einem Multibanking-Ansatz angebunden werden sollen
  • das Lastschriftvolumen hoch ist, z. B. bei Energieversorgern oder Leasingunternehmen

Nicht ideal ist EBICS dagegen für:

  • Start-ups mit geringen Zahlungsvolumina
  • E-Commerce-Unternehmen, die Echtzeit-Transaktionen benötigen
  • Plattformen, die Endkundenzahlungen einziehen

Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.

Weitere Artikel

  • Etwas ist schiefgegangen. Bitte versuchen Sie es noch einmal oder kontaktieren Sie den Support.

Startklar?

Erstellen Sie direkt ein Konto und beginnen Sie mit dem Akzeptieren von Zahlungen. Unser Sales-Team berät Sie gerne und gestaltet für Sie ein individuelles Angebot, das ganz auf Ihr Unternehmen abgestimmt ist.
Connect

Connect

Gehen Sie innerhalb von Wochen statt Quartalen live und etablieren Sie ein profitables Zahlungsgeschäft, das sich mühelos skalieren lässt.

Dokumentation zu Connect

Erfahren Sie, wie Sie Zahlungen zwischen mehreren Parteien vornehmen können.
Proxying: stripe.com/de-be/resources/more/ebics-in-germany